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Berufsbegleitende Fortbildungsreihe

Ästhetische Bildung im Kindergarten und in der Grundschule zur Förderung grundlegender Lernstrategien

Die Fortbildungsreihe

Die von AUSTAUSCH & BEGEGNUNG entwickelte Fortbildungsreihe für ErzieherInnen und GrundschulpädagogInnen zur ästhetischen Bildung zeigt auf, welche Möglichkeiten Kindergärten und Grundschulen haben, um den o.g. Faktoren gerecht zu werden und durch gezielte Angebote die altersgemäße Entwicklung zu fördern und Entwicklungsrückständen entgegenzuwirken.

Inhalte der Fortbildung

Neurobiologische Grundlagen und entwicklungspsychologische Voraussetzungen zur Sinnesentfaltung im Kindesalter

Bewegtes Denken und Tun als Voraussetzung kindlicher Lern- und Entwicklungsprozesse mit Beispielen aus der ergotherapeutischen Praxis.

  • Wie entwickeln Kinder sich?
    Intrauterin, Nervensystem, sensomotorischer Kreislauf, Hirnhemisphärenspezialisierung und Bindungsverhalten
  • Wie lernen Menschen?
    Basale Bausteine, Entwicklungsbausteine, fachspezifische Bausteine, Lerntyp und Wahrnehmungsebene
  • Ursachen von Lernstörungen?
    Mentaler Bereich, biochemischer Bereich, struktureller Bereich

Arbeiten mit Farben:
ROT – GELB – BLAU und ihre Freunde

Die objektfreie Arbeit mit Farben im Vorschul- und Grundschulalter als erstes Entdeckungsfeld für eigenständiges Tun steht im Mittelpunkt der Fortbildung. Großflächige Aquarellmalerei mit eingeschränkter und auf das Ästhetische Empfinden abgestimmter Farbengabe dient hier als Methode, den Kindern erlebbare Orientierungshilfen zu geben.

Die Beschränkung auf die reinen Farben des erweiterten Farbkreises nach Philip Otto Runge macht Farbharmonien auf der körperlichen Ebene als ästhetische Erfahrung erlebbar. Die Möglichkeiten des Runge-Fabkreises gestatten durch ihre jeweils zwei Farbstellungen zu einem Farbton (wie z.B. Zitronengelb und Goldgelb oder Zinnoberrot und Karminrot) eine hohe Farbechtheit und Brillanz bei den Mischfarben.

Somit ist gewährleistet, dass die gewünschten Ergebnisse, z.B. ein leuchtendes Orange, auch erreicht werden können. Monokrone Arbeiten mit z.B. zwei Rottönen (Zinnoberrot und Karminrot) machen das Spektrum eines Farbtones hier am Beispiel Rot, sinnlich erlebbar.

Das Brechen der reinen Farben mit Weiß eröffnet den Kindern die Erfahrungswelt der Pastelltöne. Gerade unruhige und ängstliche Kinder fühlen sich mit den gebremsten Farben häufig wohler als mit den leuchtenden Farben des Farbkreises. Auch die Farbgruppe der Erdfarben wirkt sich beruhigend und entspannend auf das kindliche Erleben aus. Hier wird die Erfahrungswelt durch gezielte Farbgabe hilfreich unterstützt.

Geschichten zu den Farbtönen und z.B. klassische Musik des Barock unterstützen die Konzentration der Kinder.

Mit älteren Kindern ab ca. 5 Jahren werden die Ergebnisse der Malprozesse auch ansatzweise verbalisiert. Die Kinder werden ermuntert zu erzählen, was sie beim Malen gefühlt und erlebt haben und was für Assoziationen zum gegenstandsfreien Bild ihnen eingefallen sind.

Schulkinder ab der zweiten Klasse können ihr eigenes Farbtagebuch schreiben, in dem sie mit einfachen Worten oder auch schon kleinen Sätzen das Erlebte niederschreiben. Wichtig ist es hier den Fantasien der Kinder alle Freiheit zu lassen.

Das langsame und prozesshafte Arbeiten eignet sich für Kinder ab 3 Jahren und sollte bis zum Ende der Grundschulzeit mit wechselnden Aufgabenstellungen geübt werden. Die Ausdrucksfähigkeit mit Farben wird hierbei spielerisch und die Eigenproduktion anregend geübt.

Entwicklungsfördernde Ziele für das Lernen ergeben sich in den Bereichen:

  • Wahrnehmungskonstanz (z.B. eines bestimmten Farbtones),
  • Differenzierungsfähigkeit der Farbtöne, 
  • selektive Wahrnehmung der unterschiedlichen Mischungen,
  • Hand-Auge-Koordination und Augenfolge-Bewegungen beim Farbauftrag auf großformatigen Papieren,
  • Sprachförderung durch konkrete Benennung und Ansprache der Fantasie und Gefühlsebene.

Flächen und Linien – Wie Muster entstehen
und Formen sichtbar werden

Sehr früh beginnen Kinder, sich für Muster und wiederkehrende Strukturen zu interessieren. So schulen sie meist ganz eigenständig ihr Wahrnehmungsvermögen für Ähnlichkeiten und wiederkehrende Formen. Durch die Auswahl von im Abrieb und in der Handhabung als angenehm empfunden Arbeitsmaterialien (z.B. hochwertige Wachsstifte, Wachsblöcke und weiche dicke Bundstifte) kann diese Eigentätigkeit angeregt werden.

Auch die verwendeten Papiere (großformatig und nur leicht geraut) unterstützen den kindlichen Spiel- und Entdeckungsdrang. Der Arbeitsplatz der Kinder wird übersichtlich und nach verständlichen Ordnungsprinzipien gestaltet. So werden die Stifte und Wachsblöcke nach Materialart und Farbtönen sortiert in unterschiedlichen Behältern präsentiert. Mit den Kindern wird diese "schöne Ordnung" jeweils auch wieder herstellt. Das beschriebene Vorgehen ist für die Kinder eine Orientierungshilfe die gleichzeitig die Bedeutsamkeit ihres Tuns betont.

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Abb. 1: "Im Garten"
Katharina, 6 Jahre - Vorschulkind

Aus dem anfänglichen Krickeln (unsortierte Striche, Linien und Böden) entwickeln sich nach und nach wiederkehrende Formen wie die horizontale, vertikale und diagonale Linie. Diese werden ergänzt mit Bögen und schließlich Kreisen. Schon bald überkreuzen sich die Linien und werden zum Zeichen "Kreuz". Immer häufiger tauchen jetzt Figuren auf wie Menschen, Häuser, Bäume.

Das Kind hat gelernt, Zeichen zu setzen, d.h. auch Gesehenes wie zum Beispiel einen Baum, eine Blume, Menschen, die Sonne usw. zu kodieren und wieder zu dekodieren und zu einem abstrakten Zeichen auf dem Papier umzusetzen (siehe hierzu Abb. 1).

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Abb. 2: "Freie Form mit Farbmuster"
Katharina, 4 Jahre alt

Andere Ordnungsprinzipien werden in linearen Mustern wiedergegeben (siehe Abb. 2) oder in rhythmisch wiederholend Farbteppichen, die häufig flächendeckend sind (siehe Abb. 3).

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Abb. 3: "Farbteppich"
Katharina, 4 Jahre alt

Die Muster und Strukturen verhelfen den Kindern zu einer immer ausdifferenzierteren Formenwahrnehmung. Differenzierungsfähigkeit und Wahrnehmungskonstanz werden hier geübt. Beide sind eine wichtige Grundlage für das Erlernen der Schriftsprache.

Das zeichnerische Tun der Kinder sollte fester Bestandteil der alltäglichen Erfahrungswelt werden und dort auch seine Würdigung finden. Das pädagogische Handeln beschränkt sich auf die Hinleitung zu bestimmten zeichnerischen Spielen (die Erzieherin / der Erzieher beginnt zum Beispiel selbst ein Musterbild zu malen und weckt so die Neugierde der Kinder) und die Gestaltung des Arbeitsplatzes, wie weiter oben beschrieben. Dabei entstehen mitunter sehr reizvolle Varianten zwischen realistischen Abbildungen, Mustern, Strukturen und Spiegelungen, die von dem eigenständigen ästhetischen Empfinden des Kindes zeugen (siehe Abb. 4). Bild

Abb. 4: "Nächtliche Häuser"
Katharina, 5 Jahre alt

Schulkindern, die bereits über einen sicheren Erfahrungsschatz im Zeichnen verfügen, stellt man Aufgaben zum Formenzeichnen wie z.B. eine liegende Acht oder auch gespiegelte Schlaufen und Bögen. In die entstandenen, auch selbst erfunden Formen können wiederum flächige Muster eingebracht werden, die das ästhetische Empfinden und die Ausdruckskraft der Kinder weiter schulen.

Als spezielle entwicklungsfördernde Ziele sind beim zeichnerischen Arbeiten folgende Bereiche zu nennen:

  • Figur-Grund-Wahrnehmung. Sie ist bedeutsam für das Erlernen von abstrakten Zeichen wie der Schriftsprache.
  • Bewegungsrichtungen auf dem Blatt verfolgen und sich im Raum orientieren können unterstützen u.a. auch das mathematische und räumliche Vorstellungsvermögen.
  • Wahrnehmungskonstanz ist eine wichtige Bedingung für das Widererkennen von Schriftbildern (Lesen), Konzentration und Ausdauer für alles weitere Lernen.
  • Differenzierungsfähigkeit ist eine Grundvoraussetzung für den Schrifterwerb und mathematische Prinzipien.
  • Hand-Auge-Koordination ist eine Voraussetzung für das eigenhändige Schreiben.
  • Hand-Auge-Folgebewegungen sind eine Grundbedingung für alle schriftlichen Arbeitsformen in der Schule, z.B. auch für schriftliche Rechenformen.

Greifen und Begreifen
– Plastisches Gestalten

Greifen und damit, begreifen wollen, ist eine der frühesten eigenständigen Willensäußerung des Kindes. Die Vorliebe für Matschiges, die sich spätestens mit drei Jahren deutlich zeigt, setzt sich fort in dem späteren Wunsch, hiermit auch zu gestalten.

Idealerweise steht den Kindern hierfür eine Matschecke, vorzugsweise im Freien zur Verfügung. Dort können sie mit allen möglichen Materialien wie Erde, Sand, Lehm und Ton usw. ihren kindlichen Spieldrang nachkommen.

Mit dem Spiel kommt das Kind automatisch in den Bereich der dreidimensionalen Raumerfahrung und erlebt ein breites Spektrum sensorischer Reize auf der Haut. Diese wiederum sensibilisieren seine Wahrnehmungsfähigkeit bezogen auf Differenzierung und Konstante.

Für das gelenkte Gestallten eignet sich feinkörniger oder schamottfreier Ton. Dieses Material lässt sich für große und kleine figurative Gestaltung nutzen.

Nach den anfänglichen Kneten und Matschen (je nach Wasserzugabe steht den Kindern auch ein sehr weicher Brei zur Verfügung), entstehen gelenkt oder frei kleine Figuren (Schlangen und Kugel usw.). Als erste gelenkte Aufgabe können die Kinder aufgefordert werden, eine etwa handgroße Kugel zu formen. Aus dieser Kugel wiederum entsteht ein Gefäß durch Eindrücken mit den Daumen.

Etwa ab dem 6. Lebensjahr (Vorschulkinder und Grundschulalter) arbeiten Kinder gerne auch anspruchsvoller thematisch. Ein Thema mit großer kindlicher Affinität ist das Tier aber auch die menschenähnliche Gestallt wie Zwerg, Fee und Hexe. Eine gute Hinleitung ist das Formen einer beide Handflächen gut füllenden Kugel, die zu einem Ei verformt wird. Dieses Ei ist der Kern des dann daraus aus einem Stück geformten Tieres.

Kinder haben häufig bei Raumkörpern eine Detailwahrnehmung. So sehen sie beim Kaninchen vor allem die übergroßen Ohren. Wollen sie solch ein Tier nun als Ganzes wiedergeben, ist es wichtig, ihnen eine Grundlage für den ganzen Körper wie z.B. ein liegendes Ei als zur Verfügung zu stellen, damit sie nicht allein auf die Ohren fixiert sind. Auch Hexe, Zwerg und Fee, lassen sich aus einem stehenden Ei formen.

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Abb. 5: Tonplastiken "Kugel, Ei und Tetraeder"

Als Unterstützung ihres räumlichen Vorstellungsvermögens formen Grundschulkinder neben den sicher sehr beliebten Tieren (hier vorzugsweise nach fotografischen Abbildungen), geometrische Figuren wie Kugel, Würfel und Zylinder.

Die Kinder müssen nicht an ihrem Platz sitzen bleiben sondern dürfen sich nach Möglichkeit mit ihren in der Hand zu formenden Raumkörpern auch im Raum bewegen. Die Möglichkeit sich zu bewegen unterstützt die Arbeit. Die Kinder formen einen Raumkörper und bewegen sich im Raum so machen sie die Raumerfahrung sowohl mit den Händen als auch mit dem ganzen Körper.

Als entwicklungsfördernde Ziele bilden sich neben der Wahrnehmungskonstanz und Differenzierungsfähigkeit vor allem auch die dreidimensionale Raumerfahrung (bedeutsam für mathematisches Verständnis), die Hand-Augen-Koordination und die taktile Ebene besonders gut aus. Häufiges und wiederholendes Tun verstärkt die o.g. Förderung.

Schauen, was die Großen tun!
Im Kunstmuseum mit Kindern

Das gefällt mir – das gefällt mir nicht! Warum hat der/die das so gemacht? Neugier ist ein wichtiger Schlüssel zur Weltaneignung. Das Kunstmuseum bietet eine Fülle von Anregungen, um Fragestellungen zu entwickeln und eigenproduktiv zu werden. Kinder haben zudem häufig einen unbefangenen Zugang zu moderner oder zeitgenössischer Kunst.

Der Besuch eines Kunstmuseums mit Kindern erfordert spezielle, auf die Altersgruppe abgestimmte Vorgehensweisen. Die Museumspädagogik bietet unterschiedliche Angebote für verschiedene Altersgruppen.

Thematische Ausstellungsbesuche (z.B. Tier, Landschaften, Farbe usw.) bieten sich eher an als z.B. Werkschauen einzelner KünstlerInnen. Bewegung und auch eigenständiges praktisches Tun müssen ein selbstverständlicher Teil eines solchen Besuches sein.

Die praktische Arbeit muss neben den künstlerischen Fragestellungen immer auch den Entwicklungsstand der Kinder und ihre eigenen Anknüpfungspunkte berücksichtigen.

Als entwicklungsfördernde Ziele sind zu nennen:

  • Anregung der Eigenproduktion,
  • in Kommunikation treten mit der Arbeit von Künstlern,
  • Steigerung des Selbstwertgefühls durch Wissenszuwachs und Kritikfähigkeit,
  • Überwindung von Schwellenängsten

Transfer der Fortbildungsinhalte
in den beruflichen Alltag

Erfolgreiches pädagogisches Handeln bezieht die Eltern weit möglich mit ein.

  • Wie gelingt es, mit den Eltern in ein unterstützendes Gespräch
    zu kommen?
  • Wie initiiere ich thematische Elternabende und auch gemeinsame Feste, bei denen die Grundlagen der ästhetischen Bildung praktisch erfahrbar werden?

Diese und weitere Fragen bilden den Abschluss der Veranstaltungsreihe. Neben der Reflexion der gemachten Erfahrungen muss nun der Arbeitsalltag vor diesem Hintergrund hinterfragt und eventuell neu gestaltet werden.

Der bewusste Umgang mit gestalterischen Prinzipien in Schulen und Kindergärten, die Ästhetik des Lebensumfeldes der Kinder (angefangen von der Raumgestaltung bis hin zu den ausgewählten Spielzeugen und Arbeitsmaterialien) müssen unter dem besondern Gesichtspunkt der Förderung nochmals neu bedacht werden.

Zielgruppe

Die Fortbildungsreihe wendet sich an Lehrerinnen und Lehrer der Fachschulen für Sozialpädagogik, an Lehrerinnen und Lehrer der Lehrerseminare für die Primarstufe, an Grundschullehrerinnen und -Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Sozialpädagoginnen, Sonderpädagoginnen und Museumspädagoginnen und -Pädagogen.

Kooperationspartner

Die Ausbildungsreihe ist ein Angebot der Weiterbildungseinrichtung AUSTAUSCH & BEGEGNUNG des Gesamtschulverbandes NRW, Dortmund, in Kooperation mit dem Museum am Ostwall, Dortmund und dem regionalen Bildungsbüro der Stadt Dortmund.

Träger

Träger des Projekts ist AUSTAUSCH & BEGEGNUNG.

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Projekte mit uns > Ästhetische Bildung

Ansprechpartnerin

Sie interessieren sich für dieses Projekt oder haben Fragen? Dann sprechen Sie uns bitte an!

Ihre Ansprechpartnerin ist:
Annette Süß

Tel.: (0231) 14 80 12
Fax: (0231) 14 79 42
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Bildungsprogramm

Unser Bildungsprogramm enthält regelmäßig Fortbildungsangebote zum Thema "Kunst und Pädagogik" – siehe Bildungsprogramm...